Freitag, 24. Oktober 2008

Ein Einblick in die sengalesische Businesswelt...

Wer meinen Blog über unser Projekt gelesen hat, war vielleicht beeindruckt (vielleicht auch nicht). Ich jedenfalls war sehr angetan, als ich erstmals den Projektbeschrieb las und als es dann Anfang des Praktikums auch gleich losging mit Informationstagen und der Rekrutierung von 4 Animatricen. Ein UN finanziertes Projekt, eine anscheinend führende NGO in der Region Kolda, das waren doch immerhin Voraussetzungen für ein spannendes Praktikum!
Nun ja, es wäre ja nicht Afrika, wenn nicht alles ganz so laufen würde wie wir uns das als Toubabs so vorstellen. Wir sind jetzt ca. einen Monat hier und durchblicken so langsam die offensichtlichen und unterschwelligen Hierarchien in der Organisation. Und wir haben bereits einige kräftezehrende, nicht nur kulturell bedingte Diskussionen mit unserem Projektkoordinator hinter uns. En bref, er ist nicht gerade ein Organisations- und Kommunikationstalent und vergisst nach Diskussionen gerne alles Gesagte schnellstmöglichst wieder, um auch ja seine Arbeitsweise nicht zu ändern.
Die beiden Praktikantinnen haben dann aber einen runden Tisch mit dem Boss und noch einigen anderen provoziert, um dem sicheren Scheitern des Projektes entgegen zu wirken...Die geplanten Ausbildungstage wurden verschoben, der Koordinator hat ein bisschen was abgekriegt (und schmollt seither), aber ob das generelle, national, kulturell oder sonstwie bedingte Syndrom der fehlenden Fähigkeit zur Antizipation damit behoben werden kann, ist ungewiss. Der ursprüngliche Kalender des Projektes ist praktisch Makulatur und ob bis zu den Regionalwahlen im März 2009 eine funktionierende Frauenlobby aufgebaut werden kann, bezweifle ich. So ist sie denn, die Realität in einer afrikanischen NGO, nicht ganz einfach, manchmal sogar ganz schwierig und immer ein bisschen auf der Jagd nach ausländischen Investisoren. Wer dann die "eingefangenen" Projekte mit Erfolg und Qualitätssicherung durchführen soll, darüber wird offensichtlich öfters morgen als heute reflektiert.
Noch einige fotographische Eindrücke aus Kolda:
Da arbeiten wir (und ja, es hat Klimaanlagen, die aber regelmässig ein bisschen zu kalt eingestellt sind!)



Powerpoint in Afrika (anlässlich der GV...)
Kolda Hauptstrasse

Kolda Müllfluss
Auch bei Sandalen ist die Qualität nicht sonderlich hoch, deshalb herrscht ein hoher Bedarf...
Kolda by Night, wenn die Moskitos attakieren und wir uns auf den Weg nach Hause machen...

Dienstag, 21. Oktober 2008

200 zöpfe in 7 stunden...

Letzten Sonntag haben wir uns ganz nach afrikanischer manier ein paar wenige zöpfe flechten lassen...

Zeitaufwand: 11 Uhr bis 18 Uhr = 7 STunden
Arbeitsaufwand: 2 Zöpfchenflechterinnen = 4 flinke Hände
Energieaufwand: 1 Riesenteller Yassa Poisson, 2 Runden senegalesischer Tee, eine Flasche Bissap

Aller Anfang ist klein...Da hab ich nicht gedacht, dass das irgendwann einmal noch fertig wird!!!

es geht langsam vorwärts und der rücken beginnt zu schmerzen...


Sophie hat kurze Haare was die Mission nicht gerade einfacher macht....

Glücklich über die neugewonnene Frischluftzufuhr an der Kopfhaut!



Freitag, 17. Oktober 2008

kleine Anekdote Velo

Unsere Velos sind Made in China....Grün mit chinesischen Schriftzeichen und von ausgesucht schlechter Qualität. Von vier Rädern (2 Velos) hatten 2 nach 2 Tagen bereits einen Platten. Der senegalesische Kommentar dazu: Das ist so. Il faut toujour changer les pneus et les chambres. Wir hingegen verstehen nicht so ganz, wie man neues Material verkauft im Wissen darum, dass es eigentlich bereits kaputt ist... Und dann ist da noch die Sache der Garantie. Also, ein neues Velo hat eigentlich eine Garantie von verhandelbarer Länge, ausser der Teile, die sowieso sofort kaputtgehen, sprich Rädern und Schläuchen....
Also, mein Velo hatte bis gestern noch keinen Platten (kleines Wunder), das wars dann aber auch schon mit der Lebensdauer der Pneus....Aufgrund des Regens vorgestern Abend hat sich der Gummi praktisch aufgelöst und auf halbem Weg zur Arbeit pffffffffff....Zum Glück gibts hier ja genügend Jeeps, so düsten wir schnell zum Velomech, um das Problem zu beheben. Am Abend, glücklich über die neugefundene Rollqualität ,mit einem neuen, besseren und vorallem gepumpten Pneu, 100m vor der Ankunft im trauten Heim...pffffffffff...der andere Pneu. So haben wir denn Ruhe bewahrt, heute Morgen ein Taxi mit unseren Velos beladen, dem Velomech Freude bereitet, weil wir schon wieder seine Dienste benötigten und hoffen, dass die neuen Pneus jetzt noch bis Dezember leben werden!

Montag, 13. Oktober 2008

Un truc de foot

16.00 Samstag Nachmittag in Kolda. Die Strassen sind leer. Jeder und Jede hat sich irgendwo in einem Innenhof, einer Stube, einer kleinen Boutique ein Plätzchen gesucht, um den ultimativen Showdown um die Qualifikation zum AfricaCup gegen Gambia, den wenig geliebten Nachbarn, auch ja nicht zu verpassen. Ich glaube, es gab in ganz Senegal keinen Fernseher, der nicht diesen Match zeigte! Die Telefongesellschaft Orange offerierte zur Feier des Tages 50% auf alle Prepaid-Karten und von etwas anderem als dem bevorstehenden Spiel reden zu wollen, war schon fast eine Beleidigung.
Wir hatten ein Logeplätzchen beim fanatischsten Fan des Quartiers ergattern können, zumindest mal was das Fanoutfit betraf (man beachte die Schuhe)! Er klärte uns dann auch laufend über alle Misstritte, Fehlentscheidungen und Fehlpässe auf, wenn er nicht gerade vom Fernseher weglief, um Senegals Debakel nicht weiter ansehen zu müssen... Je mehr er sich hineinsteigerte, desto weniger kommentierte er in französisch, aber Emotionen kann man auch in Wolof-Pulaar verstehen. Sie spielten schlecht, vorallem in der ersten Hälfte, waren alles andere als Löwen, wie die Mannschaft hier im Volksmund genannt wird. Die erste Halbzeit geht ohne Tor vorbei. Just zur Halbzeit ruft der Muezzin zum Gebet und es ist nicht schwer, sich die Inhalte der heutigen Fünf-Uhr Gebete auszumalen. Senegal schiesst dann auch tatsächlich ein Tor, doch in der 85 min gleicht Gambia aus und zerstört so alle Hoffnungen. Damit ist die Qualifikation für Senegal zu Ende, der Traum vom afrikanischen Meistertitel (eq. Zur EURO) in unerreichbare Ferne gerückt. Senegal trauerte, Dakar demonstrierte, so hoch die Erwartungen gewesen waren, so gross war die Enttäuschung über den Misserfolg.
Fussball ist hier wie überall eine Möglichkeit für Junge, aus ihrem Leben herauszukommen, im allerbesten Fall bis in die europäischen Profiligen. Fussball ist die Hoffnung einer ganzen Jugend, sprich der Hälfte der Bevölkerung, die unter 16 Jahre alt ist. Dementsprechend hoch ist der soziale Status derjenigen, die es geschafft haben. Bereits die Allerkleinsten rennen in der Mittagshitze einem Ball hinterher, die etwas Älteren absolvieren dann ihr Konditionstraining bei Einbruch der Dunkelheit. Jeder Fussballplatz ist eigentlich immer in Betrieb, selbst wenn unsereins bereits vom blossen Zuschauen Schweisstropfen in den Augen hat.





Dienstag, 7. Oktober 2008

FODDE und das Projekt „gouvernance et autorisation de la femme“ in der Region Kolda, Senegal

FODDE (Forum pour un developpement endogène et durable) ist eine regionale ONG, die seit 1997 besteht (www.fodde.org). Sie koordiniert verschiedene kleinere ONG’s in der Region und interveniert auch selber, mehr dazu auf der website zu lesen. Das langfristige Ziel der Organisation ist es, zu einem attraktiven Partner in Form eines regionalen Koordinators zu werden, der dann aber die konkreten Missionen weiterdelegieren kann.
Im Moment arbeiten wir hauptsächlich an einem von UNIFEM (UNO-Frauenorganisation) finanzierten Projekt zur Stärkung der Frauen in der Lokalpolitik. Der Staat Senegal hat auf nationaler Ebene bereits eine Strategie zur Föderung der Gleichstellung, sowie einen Verfassungsartikel, der diese garantieren soll. Die konkrete Umsetzung hinkt diesen Visionen allerdings noch stark hinterher, sodass es für Projekte wie diesem nicht an Arbeit mangelt!
Das Ziel ist, auf lokaler Ebene Frauen zu formen, die politisch aktiv werden wollen. Das Projekt interveniert für den Moment in vier verschiedenen Lokalitäten, drei davon sind relativ kleine Dörfer, eine ist eine kleine "Stadt", Hauptort einer Region. Wie zu erwarten, sind die Frauen im grösseren Ort bereits relativ gut organisiert, es gibt gewählte Frauen im Regionalparlament und ihr Interesse am Projekt ist vorallem, von der angebotenen Ausbildung und Infrastruktur profitieren zu können,um den Weg weitergehen zu können. In den kleineren Dörfern auf dem Land sieht die Lage noch etwas anders aus. Nur sehr wenige Frauen sind bereits aktiv, kulturelle und religieuse Barrieren hindern sie daran, sich in der Oeffentlichkeit zu äussern, es fehlt an Respekt und Anerkennung von Seite der Männer. Zu beachten ist auch, dass im senegalesischen Haushalt die ganze anfallende Arbeit von den Frauen erledigt wird. Das heisst konkret waschen, Wasser holen, kochen, Kinder erziehen und das alles ohne technische Hilfsmittel wie Waschmaschine oder elektrischem Herd! Bis jetzt habe ich noch niemanden gefunden, der dieses Konzept ernsthaft in Frage gestellt hätte... Die Frauen erledigen also die ganze Arbeit, womit am Ende des Tages meist nicht viel Energie übrig bleibt für Politik, ganz abgesehen davon, dass diese traditionelle Rollenverteilung nicht halt macht vor den Köpfen und viele Männer nicht allzu ernst nehmen, was Frauen zu sagen haben...
Unser Projekt möchte nun den Frauen eine Plattform bieten, wo sie unter ihresgleichen arbeiten können, um gemeinsam weiterzugehen auf dem Weg der Emanzipation. Gleichzeitig soll mit lokalen Behörden, religieusen Führern und den politischen Parteien gearbeitet werden, um zu verhindern, dass Frauen zwar gewählt werden, ihre Stimme aber nicht wirklich Gewicht erhält.
Die Photos habe ich letzte Woche gemacht an den Informationstagen, die wir in den vier Orten abgehalten haben. Dabei wurde über das Projekt informiert und darüber diskutiert. So ein Infotag muss man sich in etwa wie folgt vorstellen:
Angesagt ist Aufbruch in Kolda um 9.30 (wir sind natürlich pünktlich bei der Arbeit!), wenns gut läuft, fährt unser Jeep um 11 Uhr dann mal los. Je nach Ort und Zustand der Strasse dauert die Fahrt 30min bis 2 h. Angekommen, muss man erstmals alle Anwesenden mit Handschütteln begrüssen und insbesondere den Autoritäten Respekt zollen. Zugegen ist immer auch ein Iman (muslimischer religieuser Führer), um die Versammlung mit einem Gebet zu eröffnen. Bis es soweit ist, dauert es aber noch eine Weile, weil der Bürgermeister o.ä. bestimmt noch nicht da ist und man ihn erst in seinem Büro holen muss. Wenns dann endlich losgeht, wird alles erklärt und diskutuert, was schon eine Weile dauern kann. Arbeitssprache ist meistens Pular, wenn wir Glück hatten, fand sich jemand zum übersetzen, wenn nicht, haben wir halt Photos gemacht....J Unsere Aufgabe (Praktikanten müssen auch hier die unbeliebten Sekretariatsarbeiten machen) war ausserdem das Ausfüllen einer Präsenzliste, aufgrund der hohen Analphabetenrate auch nicht immer ganz einfach. Ganz zu schweigen davon, die lokalen Namen zu verstehen....der Eintrag ist leider schon zu lang geraten, deshalb höre ich jetzt auf! Ich freue mich auch über Fragen oder Anregungen!
Herzlich aus Kolda, Karine (Penda)



en route


"wichtige Leute", von links Mitarbeiter FODDE, Koordinator Projekt, Bürgermeister


Frau, die diskutiert




senegalesische Pampa






Versammlung unter dem arbre à palabres



Donnerstag, 2. Oktober 2008

Ramadan und Korité

zoepfchenkunst



mit der Frau unseres Nachbarn; die schaut; dass wir auch ja genug essen( nach ihrer meinung selten der fall)













unser quartier sikilo in kolda
















zwiebeln und knoblauch fuers erste mittagessen seit 30 tagen...














herausgeputzte maedchen fuer das korite fest





















Zu welchem Zeitpunkt der Ramadan anfängt, was er für praktizierende Muslime bedeutet und wann sein Ende, die Korité, gefeiert wird, kann man bei uns meistens aus nicht mehr als einer Randnotitz in den Zeitungen erfahren. Im Senegal sind 95% der Bevölkerung muslimisch, Ramdan und sein gestriges Ende das Thema Nummer eins.
Während des Ramadans darf während des Tages nicht gegessen und getrunken werden. Die Leute stehen zum ersten Gebet des Tages um fünf Uhr Morgens auf und frühstücken, danach wird bis zum Abendgebet nach sieben gefastet. Das Fastenbrechen bei Einbruch der Dunkelheit wird in der Familie mit einem symbolischen Stück Brot oder Datteln zelebriert, meist gefolgt von einem ausgiebigen Mahl. Angefangen hat der Ramadan dieses Jahr Anfang September mit dem ersten Neumond des Monats. Die Fastenzeit dauert einen Mondzyklus und ist zu Ende, wenn man den Mond von neuem am Himmel sieht. Ist der Himmel bewölkt, hat eine Komission in Dakar zu entscheiden, auf welchen Tag genau die Korité fällt.
Das Ende der Fastenzeit wird allerorts gefeiert, deswegen waren die Schneider seit Wochen überlastet mit der Fabrikation von sich gegenseitig übertreffenden Bubus (traditionelle Gewänder). Die Nähmaschine unserer Nachbarin hörten wir meistens noch beim Einschlafen und in ihrem Zimmer türmen sich die Stoffe. Die Frauen verbrachten Stunden, wenn nicht Tage mit dem kunstvollen Flechten von Zöpfchen und dem Befestigen von Haarverlängerungen, die dann wiederum zu haarigen Kunstwerken verarbeitet wurden.
Am grossen, lang herbeigesehnten und herbeigehungerten Tag dann konnte man das Resultat dieser Bemühungen auf der Strasse bewundern. Der Tag begann für die Muslime mit dem Gang in die Moschee, gefolgt von einem traditionellem Poulet zu Mittag (das erste Mittagessen seit einem Monat!). Am Nachmittag zogen die Kinder in Scharen (und Scharen sind hier wirklich Scharen von bis zu 30 oder 40 Kindern!) um die Häuser um sich Münzen zu erbetteln, die etwas älteren promenierten stolz in ihren schicken Kleidern, man besucht sich gegenseitig und bittet um Pardon.
Der Ramadan ist nun also vorbei und es wird wieder etwas einfacher sein, während des Tages Nahrung zu finden...