Montag, 13. Oktober 2008

Un truc de foot

16.00 Samstag Nachmittag in Kolda. Die Strassen sind leer. Jeder und Jede hat sich irgendwo in einem Innenhof, einer Stube, einer kleinen Boutique ein Plätzchen gesucht, um den ultimativen Showdown um die Qualifikation zum AfricaCup gegen Gambia, den wenig geliebten Nachbarn, auch ja nicht zu verpassen. Ich glaube, es gab in ganz Senegal keinen Fernseher, der nicht diesen Match zeigte! Die Telefongesellschaft Orange offerierte zur Feier des Tages 50% auf alle Prepaid-Karten und von etwas anderem als dem bevorstehenden Spiel reden zu wollen, war schon fast eine Beleidigung.
Wir hatten ein Logeplätzchen beim fanatischsten Fan des Quartiers ergattern können, zumindest mal was das Fanoutfit betraf (man beachte die Schuhe)! Er klärte uns dann auch laufend über alle Misstritte, Fehlentscheidungen und Fehlpässe auf, wenn er nicht gerade vom Fernseher weglief, um Senegals Debakel nicht weiter ansehen zu müssen... Je mehr er sich hineinsteigerte, desto weniger kommentierte er in französisch, aber Emotionen kann man auch in Wolof-Pulaar verstehen. Sie spielten schlecht, vorallem in der ersten Hälfte, waren alles andere als Löwen, wie die Mannschaft hier im Volksmund genannt wird. Die erste Halbzeit geht ohne Tor vorbei. Just zur Halbzeit ruft der Muezzin zum Gebet und es ist nicht schwer, sich die Inhalte der heutigen Fünf-Uhr Gebete auszumalen. Senegal schiesst dann auch tatsächlich ein Tor, doch in der 85 min gleicht Gambia aus und zerstört so alle Hoffnungen. Damit ist die Qualifikation für Senegal zu Ende, der Traum vom afrikanischen Meistertitel (eq. Zur EURO) in unerreichbare Ferne gerückt. Senegal trauerte, Dakar demonstrierte, so hoch die Erwartungen gewesen waren, so gross war die Enttäuschung über den Misserfolg.
Fussball ist hier wie überall eine Möglichkeit für Junge, aus ihrem Leben herauszukommen, im allerbesten Fall bis in die europäischen Profiligen. Fussball ist die Hoffnung einer ganzen Jugend, sprich der Hälfte der Bevölkerung, die unter 16 Jahre alt ist. Dementsprechend hoch ist der soziale Status derjenigen, die es geschafft haben. Bereits die Allerkleinsten rennen in der Mittagshitze einem Ball hinterher, die etwas Älteren absolvieren dann ihr Konditionstraining bei Einbruch der Dunkelheit. Jeder Fussballplatz ist eigentlich immer in Betrieb, selbst wenn unsereins bereits vom blossen Zuschauen Schweisstropfen in den Augen hat.





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