Dienstag, 16. Dezember 2008

Afrika funktioniert manchmal anders - ein Beitrag zum Schmunzeln

Noch ein letzter kurzer Blogeintrag aus Kolda, Morgen geht die Reise Richtung Norden los mit Zwischenstopps in Zeguinchor, Dakar und Lissabon. Hier ein paar Müsterchen aus dem afrikanischen Alltag, die leise zum schmunzeln anregen sollen...;-)
Arithmetik ist nicht des Senegalesen stärkste Seite
Getrimmt auf Konsumgesellschaft und Aktionen wunderten wir uns des Öfteren mal über nicht ganz logische Preisverteilung. So kosten 6 kleine Käseportionen weniger als die ganze Box, eine grosse Seife mehr als deren 2 in kleiner Ausführung und auch bei den Telefonkarten von der französischen Gesellschaft orange besteht überhaupt kein Interesse, grössere Beträge aufzuladen, da der Bonus sich lediglich kumuliert, nicht aber erhöht, wenn man mehr investiert.
Verehrer trifft auf Karin am Morgen
Im Nachhinein köstlich amüsiert haben wir uns auch über einen hartnäckigen Verfechter des Traumes von der weissen Frau, der nicht einmal zurückschreckte, um acht Uhr Morgens an unsere Zimmertür zu klopfen. Leider traf er da nicht auf Sophie wie er sich das wohl vorgestellt hat sondern auf Karin, die noch sehr morgenmufflig war und überhaupt nicht freundlich reagierte. Trotz des grimmigen Portraits, dass er in einem sorgfältig adressierten Couvert dagelassen hat, ist er seitdem nicht mehr aufgetaucht...
Auch nicht schlecht haben wir gestaunt, als uns die Ehefrau eines Advokaten allerernstes anbot, doch ihre Co-épouse zu werden (In Senegal können Männer bis zu vier Frauen hieraten)....naja, da gibt’s noch einiges an der Emanzipation zu feilen.
Ganz zu schweigen von einem weiteren Verehrer, der seine Qualitäten damit beweisen wollte, dass er uns ein Sexvideo mit seiner Frau zeigt... da fällt einem doch schon mal die Kinnlade herunter bei solchen Avancen!
Fensterglas = Sonnenbrille
Eine Brille ist ein intellektuelles Acessoire. In diesem Sinne kann man ja noch verstehen, wenn es Menschen gibt, die mit Fensterglas im Gestell herumrennen, aber als uns eine Nachbarin dann auch noch auftischen wollte, dass das Fensterglas als Sonnenschutz eingesetzt wird, blieb uns nichts anderes übrig, als uns ungläubig anzuschauen. Sie fühle sich auch deutlich besser mit der Brille in der Sonne...

Freitag, 12. Dezember 2008

Nationalpark Niokolo Koba

Die Zeit in Kolda neigt sich langsam dem Ende zu, so haben wir uns erlaubt, während des Tabaski Festes einen kleinen Ausflug Richtung Osten in den Nationalpark Niokolo Koba zu unternehmen. Nicht ganz unschuldig daran war die Natur des Tabaski Festes, auch fete de mouton genannt, im muslimischen Kalender 40 Tage nach dem Ende des Ramadans angesiedelt. An diesem Tag soll jeder Familienvater einem Schaf die Kehle durchschneiden. Wie man sich wohl vorstellen kann, war ich nicht sonderlich erpicht auf das Spektakel und auch nicht auf das Festmahl danach,
Mit Sophies Schwester, frisch aus Frankreich angekommen, machten wir uns also auf den Weg nach Tambacounda, wo es bekanntlich sehr heiss ist (oooouf il fait chaud à Tamba!), um in beinahe unmöglicher Mission am Vorabend des Tabaski Festes einen 4x4 mit Chauffeur zu finden für eine Tour durch Senegals berühmtesten Nationalpark. Die Verhandlungen über die Tour, den Preis, den guide haben den ganzen Abend in Anspruch genommen. Das war allerdings nicht weiter schlimm, befanden wir uns doch auf einer exeptionellen Dachterasse bei einem Bekannten, bestens versorgt mit Ataya, einem leckeren Yassa Poisson und einem Gemisch aus Bissap und Gingersaft. Kein Problem also, sich die zwei Tage und eine Nacht im Park zu erhandeln.
Wie sich am nächsten Morgen herausstellen sollte, waren wir uns nach vier Stunden Verhandlungen anscheinend doch nicht ganz einig gewesen darüber, wer wessen Essen bezahlen soll und wie genau der unauthorosierte guide mit uns in den Park kommen sollte. Schlussendlich bezahlten wir das Essen und er den offiziellen Guide. =)
Der Park selber war ein wunderbares Erlebnis, auch wenn die Löwen sich leider noch versteckten und das einzige Elefantenpaar anscheinend viel weiter im Süden war. Dafür kreuzten wir den Weg von einigen riesigen Ebern, die Obelix alle Freude gemacht hätten, Antilopen, Krokodilen, wunderschönen exotischen Vögeln und haben von ganz weit weg gesehen, wie die Nilpferde plantschten. Die Natur um den fleuve de gambie ist ebenfalls sehr sehenswert, im Moment noch halbwegs grün, da die Regenzeit noch nicht allzu lange her ist. Dies ist auch der Grund, warum die Tiere noch nicht gezwungen sind, aus ihren Verstecken zu kommen, um Wasser zu trinken.

Hausaffe vom Hotel Simenti im Inneren des Parkes (schleicht sich hinterlistig an, um Sandwiches zu klauen!)




fleuve de Gambie


mar de Simenti



Neugierige Antilope


kleiner Snack für Obelix




Wackelbrücke (uiuiuiuiuiui...)




Abendstimmung im verlassenen Camp wo wir die einzigen Gäste waren (die Saison ist offiziell noch nicht eröffnet und die Angestellten sind alle fürs Tabski Fest ausgeflogen)




elle est ou la buvette???
elle est la =) Prost!

Sonntag, 30. November 2008

Impressionen aus dem senegalesischen Landleben

Im Rahmen unseres Praktikums waren wir in den letzten Woche zweimal auf Exkursion in kleinen Dörfern in der Umgebung von Kolda. Auf dem Lande hier bedeutet allermeisten keinen Strom (aber massenweise Taschenlampen), kein fliessend Wasser, dafür einen unbeschreiblichen Sternenhimmel und viel Gastfreundschaft.

Die Frauen arbeiten viel und hart, neben der Arbeit auf dem Feld haben sie den ganzen Haushalt zu schmeissen und das ohne Waschmaschine oder Mixer. Der Mörser ist daher fast pausenlos im Einsatz, z.Bsp. um Mehl herzustellen oder Knoblauch und Gewürze zu zerstampfen.
Gemahlenes muss gesiebt werden, hier Erdnüsse, die später zu einer Sauce oder dem sog. Mafe verarbeitet werden


Kochstelle


Sonnenuntergang hinter den Feldern...


Bissap Pflanze




Und so sieht man nach 4 Tagen "brousse" aus... =)

Dienstag, 25. November 2008

Toubab Toubab, donne-moi

Wie bereits erwähnt wird man, kaum auf der Strasse, zum Allgemeingut der Gesellschaft erklärt und für jedermann ansprechbar. In guter Gemütsverfassung kann dies durchaus anregend sein, nur manchmal gibt es auch Tage, an denen der I-Pod allerbeste Dienste leistet...Eine sehr verbreitete Form der Kontaktaufnahme ist die Formel Toubab, Toubab, donne-moi irgend etwas, auf die ich in diesem Eintrag ein bisschen näher eingehen möchte. Mit illustren Beispielen aus unserem Alltag versehen ohne jedoch die globale Dimension des Problems aus den Augen zu verlieren.
Aufgrund der weissen Hautfarbe (leider kann man eben nicht aus der Haut fahren, auch wenn man manchmal gerne möchte) ist man unübersehbar als potentielle Geldquelle markiert. Es fängt an bei den Kindern die es unermüdlich mit "Toubab, Toubab, donne-moi 100 Francs versuchen. 100 Francs sind 25 Rappen oder äquivalent mit 4 Bonbons oder einem Brot. Natürlich geben wir keine 100Francs an Kinder, da dies nur zu Schwierigkeiten führen würde, aber dazu später.
Die Grösseren wollen dann prozentual auch grössere Spenden, wie das Fahrrad, die Uhr, die Halskette oder am Besten gleich die ganze Bekleidung. Oder ganz oben auf der Liste steht natürlich immer und vorallem bei Männern aller Altersklassen das Ticket nach Europa. Das führt dazu dass sie dir auf offener Strasse und aus heiterem Himmel schnell mal ihre Liebe versprechen in der ernsten Hoffnung, diese allzu offensichtlich anderweitig motivierten Annäherungsversuche würden zum gewünschten Ergebnis führen.
Konkret werden wir in letzter Zeit immer öfters mit Anfragen bombardiert, die über das übliche Strassenniveau herausgehen. Letzthin hat der Jugendliche, der bei uns im Geschäft für den Ataya (Tee) zuständig ist, meiner Kollegin eine Notiz zugesteckt, in der er um 10000 CFA (25 CHF) für seine kranke Grossmutter bat. Seine Enttäuschung über den "negativen Entscheid" war riesig, genauso wenig verstand er unseren Vorschlag, doch eine Kollekte zu starten. Die Folge: Wir kriegen seither keinen Tee mehr... Unser Ärger über die Erwartungshaltung war mindestens ebenso gross, seither kochen wir halt wieder unseren Espresso.
Unser Vermieter hatte ein noch grösseres Anliegen, er möchte gerne, dass wir in Europa eine Geldquelle für seine Felder finden, die leider nicht rentabel sind. Erklärend, dass es keine Finanzierungen für Private gäbe, meinte er, eine Motorpumpe würde doch aber schon irgendwie und irgendwo drinliegen...Auch seine Enttäuschung über das Nichteintreten auf sein Begehren war sichtbar gross, genauso wie sein Erstaunen darüber, dass wir als Freiwillige hier sind und von keiner Seite Lohn beziehen.
Unsere Gastgeberin fürs tägliche Mittagessen (für das wir einen korrekten Preis bezahlen) hat denn auch seit Kurzem fast täglich ein neues Anliegen, wie z.Bsp. einen Pulsmesser (sie ist arbeitslose Krankenschwester), Kosmetikprodukte oder Medikamente (die sie dann sorgsam für spätere Zwecke aufbewahrt...). Abgesehen davon zieht sie über ihren Nachbarn, den oben erwähnten Vermieter, her, um uns vor seinen Interessen zu warnen. Nun ja, wer da in welchem Interesse wessen Interessen verteidigt, ist manchmal schwer zu eruieren. Sicher ist aber, dass fast jeder irgendein Interesse daran hat, mit Weissen in Kontakt zu kommen, um diese als potentielle Geldgeber auszunützen.
Diese Erwartungshaltung ist ein echtes Problem und ein riesiger Ungemütlichkeitsfaktor. Sie stellt alle persönliche Beziehungen in Frage und birgt einigen Diskussionsstoff in sich. Einerseits verifizieren anscheinend immer noch der Grossteils der hier arbeitenden Toubabs das Klischee des grosszügigen Gönners, ganz zu schweigen von den NGO’s die Aufgaben übernehmen, die eigentlich der Staat garantieren sollte und so in Domänen aktiv sind, wo sie eigentlich nicht hingehören. Andererseits scheint es in der hiesigen Gesellschaft in keiner Weise unwürdig, andere um Geld anzubetteln. Und schliesslich haben wir natürlich mehr Geld als die meisten Menschen hier, was aber nicht heissen will dass wir auch in Europa zu den Reichen gehören.
Die Problematik gibt uns viel zu denken und wir diskutieren gerade oft und intensiv über die Gründe und die Hauptakteure der ganzen Thematik. Dabei ist uns klar, dass wir uns bis jetzt noch nicht in wirklich delikaten Situationen wiedergefunden hätten, was Anfragen aller Art betrifft. Im geschützten Rahmen unseres Praktikums sind wir nur sehr selten mit direkten Subventionsanträgen konfrontiert und im privaten Rahmen versuchten wir bis jetzt, einerseits unsere Situation zu erklären und andererseits irgendwie millimeterweise zu bewirken, dass sich diese Erwartungshaltung gegenüber von Weissen irgendwie mal ändern könnte...
Als Abschluss dieses Artikels zitiere ich gerne unsere Gastgeberin mit einer Aussage, die meiner Meinung nach einiges Aussagt, über das Bild der Weissen in den Köpfen der Senegalesen: "Les Toubabs deviennent de plus en plus intelligents. Ils ont commencé à arrêter de donner de l’argent."

Montag, 17. November 2008

Transport in Senegal

Mobilität und Transport ist in Senegal nicht immer eine einfache Sache. Angefangen bei unseren qualitativ eher schlechten Fahrrädern aus China, über Taxis,deren Zustand eher an Schrottplatz denn an Strasse erinnert bis zu vollgestopften Minibussen mit Schafen auf dem Dach. Es gibt nichts das es nicht gibt auf Senegals Strassen, Pisten und anderen Wegen.Für uns können einige dieser Spezies und Basteleien wohl als Exotismus durchgehen, ein bisschen Abenteuer und ein bisschen weniger Glanz und Hightech wie bei uns. Für die Menschen hier allerdings ist Mobilität ohne eigenen Jeep eine denkbar schwierige Sache. Es gibt kein System, dass eine Reise von A nach B zu einem bestimmten Zeitpunkt garantieren könnte (ausser der Fähre Dakar-Zeguinchor, die zweimal in der Woche fährt, aber doppelt so teuer ist wie der Landweg). Auf den "Busbahnhöfen" wartet man je nach Nachfrage, bis das gewünschte Transportmittel voll ist (je grösser der Bus, desto höher der erforderte Geduldsfaktor...). Ganz abgesehen davon, dass jeder Chauffeur seine Kundenfänger hat, die potentielle Mitfahrer unter Vortäuschung falscher Tatsachen zu ihrem Vehikel locken, sodass man sich nie sicher ist, auch im Bus oder Taxi gelandet zu sein, dass als Nächstes abfährt. So hat uns zum Beispiel auf der Heimreise aus Kafountine der Ticketverkäufer am Schalter versichert, es gebe keine Sept-Place-Taxis nach Kolda und uns im Minibus plaziert, wofür er sich bestimmt seinen Teil des Preises gesichert hat... Nachgefragt beim Chauffeur von FODDE hatte der nur ein Lachen für uns übrig, da es immer Taxis nach Kolda gäbe. Tja... angekommen sind wir ja trotzdem

Busse und Bushtaxis gibt es niemals im Direktverkehr, unterwegs wird je nach Passagieranzahl alle paar hundert Meter angehalten, um jemanden oder etwas ein-oder auszuladen oder frei gewordene Sitze wieder aufzufüllen. Das heisst, manchmal wird auch aufgefüllt, ohne dass Sitze freigeworden wären. Das Gepäck und allfällige Tiertransporte befinden sich auf dem Dach. Wird ein Vehikel wegen Überbeladung von der Polizei angehalten, dann schmiert der Chauffeur ein bisschen und darf weiterfahren...den Passagieren bleibt, Vertrauen in Allah zu haben, dass nichts passiert...


Hier ein paar illustrierte Beispiele, da es ein bisschen schwierig ist, sich die Zustände der Autos hier vorzustellen...


Sept-Place Taxi:


Ausgebauter Peugot-Kombi, bei dem im Kofferraum nochmals eine Bank für 3 Personen eingebaut wurde. Macht Fahrer plus Beifahrer plus zwei mal drei Personen im Fond. An der Grenze zu Gambia mutieren die Sept-Places dann zu Neuf-Places (Zwei auf dem Beifahrersitz, vier in der ersten und drei in der zweiten Reihe)


Seines Zeichens das schnellste öffentliche Verkehrsmittel!!!





Minibusse oder Car rapide:


Manchmal über 20 Personen im Innern, auf einer Bank sitzen normalerweise vier bis fünf Personen, neben dem Fahrer nochmals ein Paar, der Gepäckboy auf dem Dach und ein paar stehen hinten auf dem Trittbrett..




4/4 Jeep von FODDE, sehr konfortabel, klimatisiert wenn erwünscht, max. 6-7 Personen (Bänke im Kofferraum), wir wissen diesen Konfort zu schätzen!!



La charette, Plätze ein bisschen schwierig zu bestimmen, aber beliebtes Trasportmittel für Material und Personen auf dem Land und in kleinen Städten wie Kolda. Als Zugtier können Esel, Pferde oder Kühe eingesetzt werden.

Hier in Kungheul, zwischen Tambacounda und Kaolack auf Besuch bei einem anderen Praktikum




La Pirogue, um zu fischen (eine Piroge kann bis zu einem Monat auf See bleiben mit bis zu dreissig Mann an Bord, ohne Kojen notabene!) oder illegal nach Europa auszuwandern (Konditionen, die wir uns wohl nur schwer vorstellen können..)










Dienstag, 11. November 2008

Ein Tag im Leben von Karin(24) und Sophie(31), Praktikantinnen bei der ONG FODDE in Kolda, Senegal

Unter der Woche stehen wir zwischen sieben und halb acht auf. Noch ein bisschen verschlafen schälen wir uns unter dem Moskitonetz hervor, darauf bedacht, die ganze Konstruktion nicht zusammenfallen zu lassen. Bereits um diese Uhrzeit ist es weit über 20 Grad warm, die Sonne steht schon seit knapp zwei Stunden am Himmel. Auf einer Gasflasche wird der obligatorische Morgenespresso, Tribut an unsere westliche Kultur, gebraut. Wenn vorhanden, kaufen wir am Morgen ein Tapalapa-Brot (relativ gutes, nahrhaftes Brot) und bestreichen es mit dem lokalen Delia-Schocko-Brotaufstrich...
Die Arbeit fängt offiziell um acht an. Am Anfang noch unsicher, wie genau es das Personal von FODDE mit der Pünktlichkeit nimmt, haben wir uns schnell die obligate Verspätung angeeignet. Die Velofahrt quer durch Kolda ist immer ein kleines Abenteuer, muss man sich doch seinen Weg zwischen hupenden Taxis, Schafherden, uns nachrennenden Kindern und streunenden Hunden suchen. Einmal angekommen bei unserer Arbeit, dreht man erst mal eine Runde und schüttelt alle Hände. Senegalesische Begrüssungsformeln können sich ins Unendliche langziehen, wir beschränken uns meistens auf ein paar ça va’s. Bald ist es auch schon Zeit für den zweiten Kaffee, für den wir gefürchtet sind bei unseren Arbeitskollegen. Dazu muss man wissen, dass der durchschnittliche Senegalese ca 4 Würfelzucker in eine Tasse Kaffee mischt (mögliche Steigerung bis zu 10!!) oder lieber gleich einen Milchkaffee trinkt, welcher aus einer halben Tasse gezuckerten Kondensmilch, ein bisschen Nescafepulver und heissem Wasser besteht. Verständlich, dass unser schwarzer Espresso nicht sonderlich grossen Anklang findet.
So um 10 Uhr fängt man dann meistens mal mit arbeiten an. Je nachdem steigen wir in den Jeep und habe eine Mission auf dem Land zu erfüllen, es steht irgendeine Besprechung an oder wir arbeiten an sonst einem Projekt. So gegen halb zwei machen wir uns dann auf in die Mittagspause. Wir haben uns bei unseren Nachbarn "eingemietet" zum Mittagessen, kommen also nach Hause und das Essen steht schon auf dem Tisch! Gemeinsam Essen hat in Senegal eine grosse Tradition, man isst immer von einem grossem Teller, wenn möglich am Boden und mit der Hand. Uns als Toubabs gesteht man allerdings meistens einen Löffel, Stuhl und Tisch zu... Das Mittagessen besteht immer aus Reis mit Sauce und Fisch oder Fleisch zubereitet nach verschiedenen Rezepten.
Die Mittagspause ist auch hier immer allzu schnell vorbei und nach 15 Uhr in der grössten Mittagshitze düsen wir wieder mit unseren Velos zurück zur Arbeit. Die Kinder des Quartiers warten regelmässig schon auf uns um flink auf den Gepäckträger aufzuhüpfen und ein bisschen mitzufahren =)
Der Nachmittag dauert offiziell von 15 bis 18 Uhr, wir sind allerdings öfters mal die letzten die gehen, da am Abend die Internetverbindung schnell ist und man ungestört surfen kann. Oder wir müssen mal wieder die Versäumisse unseres Koordinators nachholen und eine Nachtschicht einlegen, gefolgt von intensiven Diskussionen... Aber ansonsten ist der Arbietstag um ca. 19 Uhr zu Ende und wir stellen uns den Moskitos auf dem Heimweg. Eine kühle Dusche am Abend ist eine feine Sache, in Kolda allerdings mit ein bisschen Arbeit verbunden. Das Wasser muss aus einem ca vier Meter tiefen Brunnen hochgezogen werden, um dann in einem Eimer zur Dusche transportiert zu werden. Die Dusche besteht aus einem Abfluss, ebendiesem Eimer und einem kleinen Becher, um sich das Wasser über den Kopf zu leeren... Die Klos sehen denjenigen in Süditalien ziemlich ähnlich, aber zurück zu unserem Tagesablauf. Nach der Dusche machen wir uns auf, das Abendessen einzukaufen, meistens Brot mit La vache qui rit Käse und Gurke. Oder wir lassen uns mal wieder irgenwo einladen...Die Abende sind meistens nicht sehr lange, es gibt nicht allzuviel zu unternehmen und wir gehen so zwischen zehn und elf ins Bett, um noch ein bisschen zu lesen und dann auch schon einzuschlummern unter dem monotonen Summen des Ventilators...

Die berüchtigten Velos made in China


Kaffeemaschine im Einsatz (Danke Linda und Eva!!!!)


Sonntagsfrühstück mit Brioche und Senegal-Nutella


Vor unserem Zimmer (Küche des Hauses)



Unser Zimmer ganz am Anfang, nach den ersten unerlässlichen Einkäufen...mittlerweile ists auch ein bisschen voller geworden

Sonntag, 9. November 2008

Miniurlaub in Kafountine

Letztes Wochenende haben wir uns nach einer anstrengenden Arbeitswoche am Freitagmittag kaltblütig aus dem Staub von Kolda gemacht, um Sonne, Strand und andere Annehmlichkeiten zu geniessen...
Ziel war Kafountine, ein kleines, aber seit Lonely Planet gut besuchtes Dorf an der Küste nahe der gambischen Grenze. Auf der Reise von Dakar nach Kolda haben wir eine Französin kennengelernt, die da ein Campement hat und uns à la africaine herzlich eingeladen hat, eine Gelegenheit, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten! Die Hinreise dauerte 6h, davon 2 in einem Minibus der alle 300 Meter angehalten hat, um irgendwas ein- oder auszuladen. Aber das lange Wochenende in Aussicht, liessen wir uns nicht aus der Ruhe bringen und hofften nur, dass sich nicht plötzlich noch eine Mama Africa als sechste Person neben uns auf die Bank quetschen würde...
Die paar Tage am Strand waren wunderbar, das Wasser fast zu warm, die Abende dennoch herrlich frisch und das Bier immer kühl. Einmal schafften wir sogar eine morgendliche Joggingrunde am Strand (wo ausser einer Kuhherde keine Menschenseele war...). In der Abenddämmerung und somit mit dem Sonnenuntergang vor Augen kehrten täglich die Pirogen von ihren manchmal Wochenlangen Fischertouren auf hoher See zurück. Die Pirogen sind schön anzusehen, doch möchte man sich lieber nicht die Konditionen vorstellen, in denen die Fischer darauf Tage verbringen. Einen Tag tuckerten wir in den Mangroven herum, in einer sehr kleinen Ausgaben ebendieser Pirogen, die ausserdem leck war und das mit einer afrikanischen Frau die nicht schwimmen kann und ein 2 jähriges Kind dabei hatte...naja, wir sind nicht untergegangen und das Wasser ist auch meist nur ca. einen Meter tief. Ansonsten verbrachten wir die Tage mit schwimmen, lesen und die Weite des Horizontes geniessen. In Kafountine ist um diese Jahreszeit nicht sehr viel los, das Leben plätschert langsam in seinem Rhythmus dahin und eignet sich bestens zum ausspannen..
Mittlerweile sind wir wieder in Kolda nach einer desolaten und hochnervenaufreiben Rückreise in den berüchtigten Minibussen, die uns den kleinen Urlaub teuer bezahlen liessen.
Back im Arbeitsleben planen wir einen längeren Aufenthalt in der Pampa um eine Marktstudie durchzuführen. Unseren ungeliebten Projektleiter lassen wir somit vorerst mal alleine mit seiner miserablen Organisation und versuchen, unsere Energie sinnvoller einzusetzen, indem wir für ein anderes Projekt arbeiten. Bis bald, herzlich aus der Hitze von Kolda, Karine


unser kleines Haus im Campement von Joelle, inklusive Badezimmer (das heisst Eimer, mit dem man beim Brunnen Wasser holt...) und Handtellergrossen Spinnen, die man schnell töten muss ;-)




Zeit, auch mal die Makrofunktion der Kamera auszuprobiernen




Fischer, die Abends zurückkehren mit ihrem Fang






Mangroven



Die defekte Piroge



Erstes von einem Mann gekochte Mittagessen!


Abendstimmungen am Strand..






Freitag, 24. Oktober 2008

Ein Einblick in die sengalesische Businesswelt...

Wer meinen Blog über unser Projekt gelesen hat, war vielleicht beeindruckt (vielleicht auch nicht). Ich jedenfalls war sehr angetan, als ich erstmals den Projektbeschrieb las und als es dann Anfang des Praktikums auch gleich losging mit Informationstagen und der Rekrutierung von 4 Animatricen. Ein UN finanziertes Projekt, eine anscheinend führende NGO in der Region Kolda, das waren doch immerhin Voraussetzungen für ein spannendes Praktikum!
Nun ja, es wäre ja nicht Afrika, wenn nicht alles ganz so laufen würde wie wir uns das als Toubabs so vorstellen. Wir sind jetzt ca. einen Monat hier und durchblicken so langsam die offensichtlichen und unterschwelligen Hierarchien in der Organisation. Und wir haben bereits einige kräftezehrende, nicht nur kulturell bedingte Diskussionen mit unserem Projektkoordinator hinter uns. En bref, er ist nicht gerade ein Organisations- und Kommunikationstalent und vergisst nach Diskussionen gerne alles Gesagte schnellstmöglichst wieder, um auch ja seine Arbeitsweise nicht zu ändern.
Die beiden Praktikantinnen haben dann aber einen runden Tisch mit dem Boss und noch einigen anderen provoziert, um dem sicheren Scheitern des Projektes entgegen zu wirken...Die geplanten Ausbildungstage wurden verschoben, der Koordinator hat ein bisschen was abgekriegt (und schmollt seither), aber ob das generelle, national, kulturell oder sonstwie bedingte Syndrom der fehlenden Fähigkeit zur Antizipation damit behoben werden kann, ist ungewiss. Der ursprüngliche Kalender des Projektes ist praktisch Makulatur und ob bis zu den Regionalwahlen im März 2009 eine funktionierende Frauenlobby aufgebaut werden kann, bezweifle ich. So ist sie denn, die Realität in einer afrikanischen NGO, nicht ganz einfach, manchmal sogar ganz schwierig und immer ein bisschen auf der Jagd nach ausländischen Investisoren. Wer dann die "eingefangenen" Projekte mit Erfolg und Qualitätssicherung durchführen soll, darüber wird offensichtlich öfters morgen als heute reflektiert.
Noch einige fotographische Eindrücke aus Kolda:
Da arbeiten wir (und ja, es hat Klimaanlagen, die aber regelmässig ein bisschen zu kalt eingestellt sind!)



Powerpoint in Afrika (anlässlich der GV...)
Kolda Hauptstrasse

Kolda Müllfluss
Auch bei Sandalen ist die Qualität nicht sonderlich hoch, deshalb herrscht ein hoher Bedarf...
Kolda by Night, wenn die Moskitos attakieren und wir uns auf den Weg nach Hause machen...

Dienstag, 21. Oktober 2008

200 zöpfe in 7 stunden...

Letzten Sonntag haben wir uns ganz nach afrikanischer manier ein paar wenige zöpfe flechten lassen...

Zeitaufwand: 11 Uhr bis 18 Uhr = 7 STunden
Arbeitsaufwand: 2 Zöpfchenflechterinnen = 4 flinke Hände
Energieaufwand: 1 Riesenteller Yassa Poisson, 2 Runden senegalesischer Tee, eine Flasche Bissap

Aller Anfang ist klein...Da hab ich nicht gedacht, dass das irgendwann einmal noch fertig wird!!!

es geht langsam vorwärts und der rücken beginnt zu schmerzen...


Sophie hat kurze Haare was die Mission nicht gerade einfacher macht....

Glücklich über die neugewonnene Frischluftzufuhr an der Kopfhaut!