Im Moment arbeiten wir hauptsächlich an einem von UNIFEM (UNO-Frauenorganisation) finanzierten Projekt zur Stärkung der Frauen in der Lokalpolitik. Der Staat Senegal hat auf nationaler Ebene bereits eine Strategie zur Föderung der Gleichstellung, sowie einen Verfassungsartikel, der diese garantieren soll. Die konkrete Umsetzung hinkt diesen Visionen allerdings noch stark hinterher, sodass es für Projekte wie diesem nicht an Arbeit mangelt!
Das Ziel ist, auf lokaler Ebene Frauen zu formen, die politisch aktiv werden wollen. Das Projekt interveniert für den Moment in vier verschiedenen Lokalitäten, drei davon sind relativ kleine Dörfer, eine ist eine kleine "Stadt", Hauptort einer Region. Wie zu erwarten, sind die Frauen im grösseren Ort bereits relativ gut organisiert, es gibt gewählte Frauen im Regionalparlament und ihr Interesse am Projekt ist vorallem, von der angebotenen Ausbildung und Infrastruktur profitieren zu können,um den Weg weitergehen zu können. In den kleineren Dörfern auf dem Land sieht die Lage noch etwas anders aus. Nur sehr wenige Frauen sind bereits aktiv, kulturelle und religieuse Barrieren hindern sie daran, sich in der Oeffentlichkeit zu äussern, es fehlt an Respekt und Anerkennung von Seite der Männer. Zu beachten ist auch, dass im senegalesischen Haushalt die ganze anfallende Arbeit von den Frauen erledigt wird. Das heisst konkret waschen, Wasser holen, kochen, Kinder erziehen und das alles ohne technische Hilfsmittel wie Waschmaschine oder elektrischem Herd! Bis jetzt habe ich noch niemanden gefunden, der dieses Konzept ernsthaft in Frage gestellt hätte... Die Frauen erledigen also die ganze Arbeit, womit am Ende des Tages meist nicht viel Energie übrig bleibt für Politik, ganz abgesehen davon, dass diese traditionelle Rollenverteilung nicht halt macht vor den Köpfen und viele Männer nicht allzu ernst nehmen, was Frauen zu sagen haben...
Unser Projekt möchte nun den Frauen eine Plattform bieten, wo sie unter ihresgleichen arbeiten können, um gemeinsam weiterzugehen auf dem Weg der Emanzipation. Gleichzeitig soll mit lokalen Behörden, religieusen Führern und den politischen Parteien gearbeitet werden, um zu verhindern, dass Frauen zwar gewählt werden, ihre Stimme aber nicht wirklich Gewicht erhält.
Die Photos habe ich letzte Woche gemacht an den Informationstagen, die wir in den vier Orten abgehalten haben. Dabei wurde über das Projekt informiert und darüber diskutiert. So ein Infotag muss man sich in etwa wie folgt vorstellen:
Angesagt ist Aufbruch in Kolda um 9.30 (wir sind natürlich pünktlich bei der Arbeit!), wenns gut läuft, fährt unser Jeep um 11 Uhr dann mal los. Je nach Ort und Zustand der Strasse dauert die Fahrt 30min bis 2 h. Angekommen, muss man erstmals alle Anwesenden mit Handschütteln begrüssen und insbesondere den Autoritäten Respekt zollen. Zugegen ist immer auch ein Iman (muslimischer religieuser Führer), um die Versammlung mit einem Gebet zu eröffnen. Bis es soweit ist, dauert es aber noch eine Weile, weil der Bürgermeister o.ä. bestimmt noch nicht da ist und man ihn erst in seinem Büro holen muss. Wenns dann endlich losgeht, wird alles erklärt und diskutuert, was schon eine Weile dauern kann. Arbeitssprache ist meistens Pular, wenn wir Glück hatten, fand sich jemand zum übersetzen, wenn nicht, haben wir halt Photos gemacht....J Unsere Aufgabe (Praktikanten müssen auch hier die unbeliebten Sekretariatsarbeiten machen) war ausserdem das Ausfüllen einer Präsenzliste, aufgrund der hohen Analphabetenrate auch nicht immer ganz einfach. Ganz zu schweigen davon, die lokalen Namen zu verstehen....der Eintrag ist leider schon zu lang geraten, deshalb höre ich jetzt auf! Ich freue mich auch über Fragen oder Anregungen!
Herzlich aus Kolda, Karine (Penda)
en route
"wichtige Leute", von links Mitarbeiter FODDE, Koordinator Projekt, Bürgermeister
Frau, die diskutiert
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